SS 2012

Tina Swoboda:               
Instrumentales Üben und Musizieren aus neurowissenschaftlicher Sicht

In den letzten Jahren konnte die Wissenschaft sehr große Fortschritte in der Gehirnforschung machen. Das Gehirn ist die Schaltzentrale für alle Funktionen unseres Körpers. Jede Bewegung, jedes Handeln, Tun, alles wird vom Gehirn gesteuert. Die Entwicklung neuer Messgeräte wie Elektro-Enzephalograph (EEG) und Magnet-Enzephalograph (MEG) ermöglichten neue Untersuchungsmethoden. Mit Hilfe dieser Geräte konnten eine Reihe von neuen Erkenntnissen gewonnen werden. Viele Studien, durchgeführt mit Hilfe von Musikerinnen und Musikern, bildeten die Grundlage für dieverse Forschungen am Gehirn.
Musiker/innen beginnen meist vor dem siebten Lebensjahr zu musizieren. Aus diesem Grund sind deutliche Unterschiede im Gehirn gegenüber nichtmusizierenden Personen erkennbar. Bei Musiker/innen sind die linke und rechte Gehirnhälfte stärker miteinander verbunden. Zusätzlich sind gewisse Hirnareale vergrößert. Ausgehend von diesen Erkenntnissen begannen Forscher/innen, sich mit der Fehleranalyse zu beschäftigen. Die Frage, welche Vorgänge im Hirn ablaufen, wenn beim Musizieren Fehler gemacht werden, beschäftigte Expertinnen und Experten. Die Ergebnisse waren ebenso erstaunlich wie bahnbrechend für die Übungsarbeit von Musikerinnen und Musikern sowie die Lehrtätigkeit.
Forscher/innen entdeckten, dass das Gehirn bereits siebzig Millisekunden vor Eintreten eines Fehlers diesen bemerkt. Ebenso kann das Gehirn die Wichtigkeit des Fehlers abschätzen. Falsches beziehungsweise fehlerfreies Üben kann Gehirnfehler nach sich ziehen. Falsches Fehlerverhalten hat negative Auswirkungen auf den Körper. Diese zeigen sich in Form von Versagungsängsten und anderen neurophysiologischen Symptomen.

(Graz, Mai 2012)


Christina Theissl:
Das absolute Gehör im Instrumentalunterricht

Die vorliegende Arbeit behandelt die Berücksichtigung des absoluten Gehörs im Instrumentalunterricht.
Zum absoluten Gehör finden sich eine Begriffsbestimmung und historische Aspekte ebenso wie der aktuelle Forschungsstand und Auswirkungen des absoluten Hörens in der Musizierpraxis. Außerdem werden didaktische Konzeptionen, die das absolute Gehör behandeln, erläutert.

In einer eigenen empirischen Untersuchung füllten 43 Absoluthörende einen Fragebogen aus. Sie beantworteten Fragen zu den Höreigenschaften ihres absoluten Gehörs und zu den Vor- und Nachteilen desselben beim Umgang mit Musik. Außerdem gaben sie Angaben dazu ab, welche Probleme durch das absolute Gehör beim Musizieren entstehen und ob diese im Instrumentalunterricht berücksichtigt werden. Die Probanden/Probandinnen schilderten auch die generelle Situation bei verschiedenen Instrumentallehrern/Instrumentallehrerinnen – wie oft und wie Gehörbildung integriert wurde und in welchem Ausmaß die Lehrpersonen auf das absolute Gehör ihrer Schüler/innen eingingen.

(Graz, 2012)