Nazfar Hadji

„Musikbezogene Lebenswelten als individuelle Bedeutungskonstrukte. Eine ethnografische Studie über Instrumental- und GesangsschülerInnen“

Abstract

Das Fach Instrumental- und Gesangspädagogik (IGP) besteht erst seit Beginn der 1980er Jahre als eigen-ständige Disziplin (Rüdiger 2018) und es gibt daher noch viele bisher wenig bearbeitete Forschungsthe-men, auch in der empirischen Forschung. Unter den wenigen Forschungsarbeiten ist die qualitative Studie Musiklernwelten erkennen und gestalten von Ardila-Mantilla (2016), die Musiklernwelten von Musikschü-lerInnen aus der Sicht der Lehrenden untersucht. Die SchülerInnensicht wurde bisher jedoch insgesamt kaum berücksichtigt. Dies gilt auch für die musikbezogene Lebenswelten von InstrumentalschülerInnen.

Der Lebensweltbegriff wird in der Musikpädagogik überwiegend in Bezug auf bestimmte Teilaspekte oder in klar begrenzten Kontexten verwendet. Hier soll hingegen eine umfassende und detaillierte Darstellung der musikbezogenen Lebenswelten von InstrumentalschülerInnen erfolgen und deren Kontaktflächen mit Musik erkennbar gemacht werden, sowie die Bedeutungskonstruktionen in einem musikalischen Kontext erforscht werden. Zu diesem Zweck wird im Abgleich mit (musik-)soziologischen Theorien der Lebenswelt ein instrumentalpädagogisch valenter, konstruktivistisch fundierter Begriff musikbezogener Lebenswelten zu konsolidieren sein.

Diese Dissertation beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedeutsamkeit InstrumentalschülerInnen Musik in ihrer Lebenswelt zuweisen. Die explorativ angelegte, qualitative Studie untersucht hierzu vier Instru-mentalschülerInnen im neunten bis elften Lebensjahr mittels teilnehmender Beobachtung. Das ange-strebte Ziel ist eine Kontrastschärfe im Hinblick auf den Einfluss des Instrumentalunterrichts für die indivi-duell konstruierten musikbezogenen Lebenswelten der PartizipandInnen. Der Diversität der Lebenswelten soll durch die Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekte wie kulturelle Identität, sozialer Hintergrund, Geschlechtsidentität, religiöse Identität, unterschiedliche Musikinstrumente Rechnung getragen werden. Die Erhebung wird durch Interviews mit Kindern, Eltern und Lehrenden ergänzt und erweitert.

 

“Music-related life worlds1 as individual meaning constructs: An ethnographic study of instrumental and vocal students”

Abstract

Instrumental and vocal pedagogy ("IGP") has only existed as an independent discipline since the beginning of the 1980s (Rüdiger 2018) and many research topics, including empirical research themes, have conse-quently received little study to date. The few research projects that have been undertaken include the qualitative study by Ardila-Mantilla (2016), Recognizing and Designing Music Learning Worlds, which ex-amines the music-learning worlds of music students from the teachers perspective. The view from the standpoint of the student has so far, however, scarcely received consideration. The same is true with regard to the music-related life worlds of instrumental students.

In music pedagogy, the life world notion is mainly used in relation to specific sub-aspects or in clearly defined contexts. Here, on the other hand, a comprehensive and detailed description of the music-related life worlds of instrumental students has been undertaken that aims to render their contact surfaces with music recognizable, and to research meaning constructions in a musical context. For this purpose, in the comparison with (music) sociological life world theories, the consolidation of an instrumental pedagogi-cally more relevant, constructionist-founded notion of music-related life worlds is required.

The present dissertation addresses the question of what significance instrumental students assign to mu-sic in their life world. The exploration-based, qualitative study examined four instrumental students aged from nine to eleven by means of participatory observation. The aim is to achieve a sharp contrast with regard to the influence of instrumental teaching on the participants' individually constructed music-related life worlds. Life world diversity is taken into account by considering different aspects such as cul-tural identity, social background, gender identity, religious identity and different musical instruments. The survey has been supplemented and expanded by interviews with children, parents and teachers.

 

 

German: Lebenswelt